Schnauze voll!


Es hat ja wirklich viele Vorteile, wenn man, wie ich, einen Allerweltsnamen hat. Man bekommt bei der Googlesuche so viele Ergebnisse, dass man mich, sollte ich dort auftauchen, glatt übersieht. Es gibt mich hier im Landkreis angeblich 17 Mal. Also nicht mich, sondern andere die exakt heissen wie ich. Ich kann also getrost Vor- und Nachnamen inklusive Ort irgendwo angeben - keiner weiss, ob ich das bin oder eine der anderen. Trotzdem stehe ich nicht im Telefonbuch und habe eine Geheimnummer. Bei der Verteilung meines Nachnamens in Deutschland liegt dieser Landkreis mit 189 Personen (von insgesamt 26714) auf Platz 3. Zum Vergleich: Meinen Mädchennamen gibt es nur ganze sechs Mal in Deutschland. Alles Verwandtschaft - bei der Hälfte davon weiss ich nicht, um wieviele Ecken wir verwandt sind, den Rest kenne ich persönlich. Ich war also froh, dass ich mit der Heirat diesen seltenen Namen ablegen konnte. Böse Zungen behaupten, ich hätte nur deswegen geheiratet. Ja, und wegen der Steuer. Mwwuuahaha, ein Brüller!

So schön diese "gefühlte" Anonymität auch ist, sie hat enorm viele Nachteile. Vor einer Ewigkeit wollte ich mal was aus dem Katalog bestellen. Nur bekam ich nichts, da eine Namensvetterin hier im Umkreis wohl einen Eintrag in der Schufa hatte. Und da anscheinend jeder der Beteiligten das Geburtsdatum ignorierte, gab's für mich keine Ware. Für alle anderen wahrscheinlich auch nicht. Die GWV telefoniert verzweifelt in der Gegend rum um die Richtige zu finden (letzter Absatz des Posts). Im Autohaus werden Serviceaufträge verwechselt. Ich bekomme Briefpost, die nicht für mich bestimmt ist. Briefe an mich kommen nicht an, wenn die Adresse nicht genau stimmt, was logisch ist. Und ich bekomme regelmässig Mails, die nicht für mich sind. Vor drei oder vier Jahren bekam ich mal Mails, die eigentlich für eine Bürgermeisterin gedacht waren. Standen viele interne Dinge drin, die meines Erachtens nicht so ganz koscher waren. Und wer erinnert sich nicht gerne an Raoul? Letztes Jahr ging mir eine Bücherei aus Offenbach tierisch auf die Nerven, weil sie mich tagelang mit Mails bombardiert haben, dass ich meine Lernhefte, Schulbücher, etc, jetzt abholen könne. Ok, die Angestellten dort waren auch extrablöd, behaupteten sie doch nach meiner "Ist nicht für mich!"-Mail steif und fest, dann wäre "die Mailadresse eben zwei Mal vergeben" und ich wäre bestimmt die Richtige und solle doch meinen Kram endlich abholen. Ha, bleibt da mal freundlich...

Heute dann trudelt eine Mail einer Mainzer Firma ein. Direkt von der Dame, die für Faktura, Angebot und Lohnbuchhaltung zuständig ist. Im Anhang ein Angebot über die Fensterreinigung im vierten Obergeschoss. Ja, sorry, hier gibt es nur Erdgeschoss und Dachgeschoss. Das Angebot im Anhang war garniert mit der kompletten Adresse, Telefonnummer und der (korrekten) Mailadresse der Kundin. Gott sei Dank bin ich nicht scharf auf die Daten anderer Leute, aber wenn sie die Buchhaltung auch so gewissenhaft macht, na dann gute Nacht! Schon wieder hiess es also: Mail schreiben, erklären - mit dem bissigen Kommentar, man solle doch im Sinne des Datenschutzes sorgfältiger arbeiten. Vorhin fiel mir dann ein, dass ich die Mail einfach direkt an die Kundin hätte weiterleiten sollen. Das nächste Mal, Freunde, das nächste Mal!

So, und was ist nun besser? Häufig vorkommender Allerweltsname oder einer mit Seltenheitswert? Ich weiss es nicht. Was meint ihr?

9 comments:

Miss Temple said...

Bei mir ist es genau andersrum. Mein Mädchenname ist ein Allerweltsname (in Polen sicher noch mehr...) und mein jetziger Name ist dafür auf irgendein Gehöft hier irgendwo in der Nähe zurückzuführen. Wenn man mich also googlen würde, würde man zwar nicht viel finden, aber im Zweifelsfall bin ich das dann auch. Obskure Post/Anrufe/Mails habe ich aber bisher noch nie bekommen.

Das mit den falschen Emails finde ich ja ganz besonders apart. Wie machen die das? Einfach den Namen vor einen willkürlichen Provider packen?

Sam said...

@Miss Temple: Nein, da ist nichts willkürlich, es sind nur Tippfehler in der Mailadresse. Die Kundin der Firma in Mainz hatte, wie ich, auch vorname.nachname@gmail.com - nur, dass bei ihr nach dem Nachnamen noch etwas kam, was die Bürotante vergessen hatte einzutippen. Und "schwupps" landet die Mail bei mir. Bei Raoul war es ähnlich, da ging's über GMX und er hatte _ mit . verwechselt.

Ich warte ja auf den Tag, an dem mir wirklich brisante Dinge in die Mailbox flattern ;D

Miss Temple said...

@Sam

Ja gut, da hätte man auch drauf kommen können. *blond* ;)
Bitte teil das dann auch weiterhin mit uns. :)

Sam said...

@Miss Temple: Auf jeden Fall. Auch wenn ich dann wahrscheinlich im Knast lande oder, noch schlimmer, erschossen werde ;D

(es lebe meine blühende Phantasie!)

cucuracha said...

wenn man nicht gerne gefunden werden möchte, ist so eine allerweltsname sicher besser... ich habe zu weihanchten einen brief bekommen, der an eine namensvetterin adressiert war, die allerdings verheiratet ist und einen doppenamen trägt, frag mich nicht, warum der hier ankommt. vor einer weile hatte mich auch mal jemand auf facebook gefragt, ob ich diese person sei, weil diese c. wohl auch mal nach münchen zog...

diese frau scheint nicht mehr auffindbar zu sein, aber vielleicht will sie das ja auch gar nicht? :D

cucuracha said...

oh nein, ich kann das wort weihnachten nicht tippen, ich flippe aus, jedes mal wieder... gggggrrrrrrr :D

Sam said...

@cucuracha: Obwohl dein Nachname gar nicht so häufig vorkommt in Deutschland (kannst unter verwandt.de nachschauen)? Wirklich schlimm stelle ich mir das bei Müller, Meier, Schmitt/dt, etc, vor...

Auweihanachten ;D Kurzform von "Au weia, Weihnachten". War also völlig richtig!

cucuracha said...

ich bin auch ganz froh, dass ich nicht müller, meier, schmidt... heisse... ich denke ja immer, vielleicht möchte mich mal jemand von früher wiederfinden (reines wunschdenken *lach*), und da bin ich ganz froh, dass es mich nicht allzu oft gibt. also wer gut recherchiert, kann mich bestimmt aufspüren :D

nach alten klassenkameradinnen zu suchen ist auch immer doof, weil die meisten wohl verheiratet sind und ihren mädchennamen nicht mehr tragen... schade, sowas.

Sam said...

@cucuracha: Na ja, also gesucht hat dich bestimmt schon jemand. Könnte wetten, dass da schonmal gegoogelt oder z.B. auf Facebook, WKW, etc, gesucht wurde. Mich haben sie auch zwei Jahre gesucht - wovon ich aber erstmal gar nichts wusste...

Ich suche auch ab und zu mal nach alten Klassenkameraden / Freunden. Der Nachname ist da normalerweise kein Problem. Du findest eine, die ihren Namen noch hat... und automatisch findest du auch den Rest, weil die sich schon gefunden haben. So war's bei mir.

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